Ziele und Kennzeichen des Aachener Modells

Ganzheitlicher, individueller Begabungsbegriff

Ein besonderes Ziel des Aachener Modells ist, dass alle Schülerinnen und Schüler von der Begabungsförderung profitieren können. Besondere und hohe Begabungen finden wir nicht  – wie oft fälschlicherweise angenommen – ausschließlich im kognitiven, intellektuellen Bereich, sondern gleichermaßen auf dem Gebiet der sozialen Interaktionsfähigkeit, sprachlichen Kompetenzen, künstlerischen Fähigkeiten, im Bereich von Psychomotorik oder/und philosophischer Wissbegier. 

Ein ganzheitlicher Blick, der sich auf die Begabungsbereiche nach Howard Gardner stützt, ist die Basis. Alle  Begabungsbereiche werden mitgedacht und gefördert. In der Startphase einer Projektschule werden die Lehrer und Lehrerinnen für alle Begabungsbereiche sensibilisiert. So können die Begabungen jedes einzelnen Kindes erkannt und so gefördert werden, dass jedes Kind sein Potenzial entfalten kann.


Frühe Förderung

Durch die Kooperation der Schulen mit den Kindestageseinrichtungen findet eine Sensibilisierung aller Beteiligten schon vor Schuleintritt der Kinder statt. Begabungen können erkannt und frühzeitig gefördert werden, der Übergang in die Grundschule wird begleitet und Informationen zu den Begabungen der Kinder weitergegeben. Spezielle Beobachtungs- und Diagnosebögen wurden entwickelt. Eine Beratung der Eltern vor Schuleintritt ist über den Schulpsychologischen Dienst möglich.


Vielschichtige Förderung in der Schule, Inklusion statt Separierung
Begabungsförderung findet im Wesentlichen innerhalb des  Klassenverbandes statt, kann aber auch in zusätzlichen Projekten, Kursen  und Arbeitsgemeinschaften außerhalb der Stundentafel angeboten werden. 

Im Unterricht werden vor allem Individualisierung, Differenzierung, Enrichment-Mmaßnahmen und Akzeleration (auch über jahrgangsgemischte Unterrichtsformen) zur Begabungsförderung eingesetzt.
Die Schulen haben bei der Auswahl  der Fördermaßnahmen, die sie in ihren Klassen einsetzen, großen Gestaltungsspielraum. In offenen Unterrichtssituationen, in denen Kinder komplexe Aufgaben bearbeiten und die Anforderungen nach oben nicht begrenzt, sondern weit geöffnet werden, eröffnen sich vielfältige und individuell optimale Lernchancen. In einer durch Individualisierung und offene Arbeitsweise gekennzeichnete Unterrichtsorganisation wird jedes Kind mit geeigneten Maßnahmen der Binnendifferenzierung innerhalb des Klassenverbandes begabungsgerecht gefördert. Somit profitieren alle Schülerinnen und Schüler der Klasse von einem anspruchsvollen Unterricht. 

Im Rahmen der Unterrichtsentwicklung wurden an den Aachener Modell-Schulen neue Unterrichtsmodule entwickelt und erprobt. Die unterschiedlichen Module umfassen relevante Lernbereiche der Grundschuldidaktik wie mathematische und sprachliche Aufgabenstellungen, aber auch Module, die zur Stärkung der Sozialkompetenz erprobt werden können. Vielfach sind diese Module jahrgangsübergreifend konzipiert. Es kommen beispielsweise Lerntagebücher, offene Projekte, Themenvorträge, Kinderparlamente, freie Aufgabenstellungen im Unterricht zum Einsatz. Ziel ist auch, den Blick auf eigene Begabungsmöglichkeiten zu öffnen und Kinder zu ermutigen, nach ihren speziellen Begabungen zu suchen.



Begabungsförderung als Schulentwicklungsprozess und als Beitrag zur Qualitätsentwicklung
Die didaktisch-methodische Gestaltung des Projektes hat als innovativer Faktor für die Begabungsförderung in der Grundschule gewirkt. Der Transfer der Ergebnisse trägt zur Qualitätsentwicklung des Unterrichts in den beteiligten Grundschulen bei. Der Schwerpunkt der Begabungsförderung wird auf die Entwicklung innerschulischer Fördermodule gelegt. 

Dazu sind eine stetige Schulentwicklung und der Austausch der Schulen untereinander unerlässlich. Zusätzlich finden regelmäßige Treffen der Modellschulen statt, in denen aktuelle Themen der Begabungsforschung aufgegriffen, Erfahrungen und Module ausgetauscht werden. Diese Arbeitsweise hat sich im Hinblick auf die Qualitätsentwicklung und -sicherung sehr bewährt. Von jeder Schule nehmen die Schulleitungen und eine weitere Vertretung der Schule an den Treffen teil. Diese sind dafür verantwortlich, die entsprechenden Inhalte an das Kollegium ihrer Schule weiterzugeben und dieses am Prozess der gemeinsamen Entwicklung zu beteiligen. Gerade deshalb hat sich die Verpflichtung der Teilnahme durch die Schulleitung als sehr erfolgreich erwiesen. 

Die Erfahrung zeigt, dass durch den Anstoß zur Begabungsförderung eine große Entwicklung in den Schulen stattgefunden hat. Der Blick der einzelnen Lehrkräfte wurde erweitert, so dass nicht nur einzelne Kinder mit speziellen Fördermaßnahmen im Vordergrund stehen, sondern viele Begabungen und Potenziale innerhalb der Schule gefördert werden. Durch Qualitätskriterien, die innerhalb des Aachener Modells ausgearbeitet wurden, verpflichten sich die teilnehmenden Grundschulen, ihre Entwicklung stetig zu überprüfen, an der Begabungsförderung weiterzuarbeiten und die hohe Qualität beizubehalten.